Historischer Abriss durch die Geschichte des Sportvereins

Nachdem die Trümmer und Schäden des grauenvollen 2. Weltkrieges in den Nachkriegsjahren beseitigt worden waren, nahm das Interesse der Wellmitzer Jugend zu, ihre Freizeit gemeinsam zu gestalten. Damit wollte man einerseits den Problemen des Alltags entfliehen oder sie verdrängen, andererseits aber auch Kraft und Hoffnung für den Neuanfang schöpfen. Dieses Bedürfnis sollte in Form von gemeinsamer sportlicher Betätigung erfüllt werden. Jedoch nicht alle Bewohner von Wellmitz sympathisierten mit diesem Gedanken der Jugendlichen. Viele waren der Meinung, die jungen Leute haben schon eine schmale, magere Erscheinung und kein Gramm Fett am Körper. Was sie da mit Sport erreichen wollten? Ihre Devise war »Sport verdirbt den Menschen«. Hinzu kamen die Bemühungen junger Wellmitzer, die bereits in fremden Vereinen spielten (3 Spieler in Groß Breesen und 5 Spieler in Neuzelle, die Bildung einer Sportgemeinschaft in Wellmitz voranzutreiben. Am 18. 1. 1948 war dann die lang ersehnte Geburtsstunde der „FDJ-Sportgemeinschaft Wellmitz“. Die Gründung erfolgte in der Gaststätte »Zur Eisenbahn(( (s. auch Rücktitel). Als 1. Vorsitzender wurde in Anerkennung seiner Initiative für die Bildung der Sportgemeinschaft Alfred Birkhold, ein Wellmitzer Lehrer, gewählt. An der Gründungsveranstaltung nahmen folgende 18 Gründungsmitglieder teil:

Alfred Birkhold, Gerhard Nauck, Siegfried Bemba, Erwin Noack, Wolfgang Finn, Herbert Noack, Hartwig Floß, Günther Philipp, Willi Gebbert, Erhard Rademacher, Hans Görlitz, Harald Rettig, Richard Janthor, Karl Richter, Kurt Kutschke, Gerhard Schulz, Werner Mieley, Arthur Schulze

Mit ihrer Unterschrift bekundeten alle Gründungsmitglieder ihre antifaschistische Gesinnung und erklärten sich mit den 8 nachfolgend genannten Grundsätzen einverstanden:

  1. Jeder Sportkamerad und jede Sportkameradin muss sich tatkräftig dem Aufbau und der Erhaltung der Sportgemeinschaft zur Verfügung stellen.
  2. Es muss stets im Interesse der Gemeinschaft gehandelt werden.
  3. Sportgemeinschaft und Sportkameradschaft sind zu fördern und zu pflegen.
  4. Die Anordnungen der Gemeinschaftsleitungen müssen geachtet und unterstützt werden.
  5. Der monatliche Beitrag von 0,50 DM oder 1,00 DM muss regelmäßig entrichtet werden!
  6. Der freiwillige Austritt aus der FDJ-Sportgemeinschaft geschieht durch schriftliche Abmeldung.
  7. Die Gemeinschaftsleitung wird bei jeder Jahresabschlussversammlung gewählt.
  8. Mitglieder, die gegen diese Punkte verstoßen, werden durch Gemeinschaftsbeschluss ausgeschlossen.

Am 2. Februar 1948 erfolgte die Aufnahme von weiteren Sportinteressierten, wobei hier nicht nur Männer, sondern erstmals auch Frauen eintraten. Die offizielle Gründungsfeier beging man am 7. März 1948 in der Gaststätte »Zur Eisenbahn“. An diesem Tag fanden die ersten beiden Freundschaftsspiele im Fußball statt, die die Wellmitzer gegen 2 Mannschaften aus Groß Breesen mit 3:0 und 3:1 verloren.

Die Spiele wurden jeweils vom Fürstenberger Schiedsrichter Müller geleitet. Das erste Spiel in der Geschichte der Sportgemeinschaft begann um 13.30 Uhr. Gespielt wurde damals auf einem Gelände neben den Eisenbahnschienen entlang der Ratzdorfer Straße (Gelände der ehemaligen BHG und des Hauses der Familie Kraatz). Da für das Umziehen noch keine Umkleidekabinen vorhanden waren, musste man auf Ausweichmöglichkeiten zurückgreifen. Diese waren vor allem die Gaststätte »Zur Eisenbahn« und die Vorhalle im Bahnhofsgebäude. Gespielt wurde mit gefärbten Sporthemden, die als Trikots benutzt wurden. Da die finanzielle Lage eher weniger gut war, mussten benötigte Bälle oder Fußballschuhe mit materiellen Dingen, d. h. etwas Essbarem bezahlt oder getauscht werden. So erhielt man, wie wir aus mündlicher Überlieferung damaliger Zeitgenossen erfuhren, für einen Zentner Weizen einen Fußball und für 5 Zentner Kartoffeln ein Paar Fußballschuhe.

Am Ende des Jahres 1948 zählte die Sportgemeinschaft bereits 82 Mitglieder, von denen 59 Männer Fußball oder Tischtennis und 23 Frauen Handball spielten. Von den Mitgliedern in der »FDJ-Sportgemeinschaft Wellmitz« waren viele Vertriebene, die aus Gebieten östlich der Oder kamen, so aus Ostpreußen, Rampitz, Lahmo, Lindenhain, Germersdorf, Kulm, Siebenbeuten, Schönwald, Balko, Guben und Kuschern. Insgesamt gab es nach der Gründung zwei Fußballmannschaften, eine Frauen-Handballmannschaft und zwei Schüler-Fußballmannschaften. Alljährlich stattfindende Leichtathletikwettkämpfe, zu denen jeder Verein regelmäßig eine festgelegte Anzahl Wettkampfteilnehmer delegieren sollte, führten dazu, dass von allen interessierten Vereinsmitgliedern Leichtathletik betrieben wurde.

Eine Auszeichnung für jeden Verein war die Möglichkeit, ein Mitglied des Vereins zum Deutschen Turn- und Sportfest zu delegieren. Als Mitglied des 1. Turn- und Sportfestes im Jahr 1953 in Leipzig wurde Ingetraud Borchert (Mitglied der Frauen-Feldhandballmannschaft) delegiert. Noch heute erinnert sie sich an eine Begebenheit, die, wie wir denken, den sportlichen Gemeinschaftssinn aller Sportbegeisterten der Nachkriegsjahre widerspiegelt. Ingetraud Borchert gehörte der Delegation des Kreises Fürstenberg (Oder) an und hatte während der Proben für die große Sportschau in einer Menge von 1000 Sportlern ihr Portemonnaie mit 15,00 MDN verloren – eine Menge Geld für die damalige Zeit. Doch tatsächlich gab es in dieser Gemeinschaft so vieler Sportler ehrliche Finder und schon kurze Zeit später wurde über die Stadionanlage eine Ansage gemacht, dass eine Geldbörse gefunden wurde. Von dieser Zusammengehörigkeit, und das können wir mit Sicherheit für die Sportler und Sportlerinnen unseres Vereins sagen, lebt der Breitensport in unserer Region bis in die heutige Zeit.